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1.
Die Junta para Ampliación de Estudios e Investigaciones Científicas Das
in der spanischen Literatur sogenannte silberne Zeitalter der spanischen
Kultur, welches das Ende des 19. Jahrhunderts und das erste Drittel des 20.
Jahrhunderts umfasst, wurde im Bereich der Wissenschaftsförderung wesentlich von der
Gründung einer Anstalt bestimmt. Die Junta para
Ampliación de Estudios e Investigaciones Científicas (JAE)(1) stellte die größte Anstrengung und das
wichtigste Projekt dar, welches das spanische Volksbildungsministerium am Anfang des 20.
Jahrhunderts zur Modernisierung des Bildungssystems und der wissenschaftlichen Forschung
in Spanien durchführte. Die Junta gründete und förderte verschiedene Institutionen,
deren Hauptziele die pädagogische Erneuerung und die Modernisierung der Wissenschaft des
Landes waren. Die Entstehung der JAE entsprang auch dem historischen Klima, in dem sich
Spanien nach der für das Land katastrophalen Jahrhundertwende befand. Es gab mehrere
Ursachen, welche die Gründung der Junta unterstützten: Das Bestreben nach pädagogischer
und wissenschaftlicher Erneuerung, die Stärkung des Gedankenguts des sogenannten
regeneracionismo(2) und die
Tatsache, dass ein Teil der politischen Elite der liberalen Partei die meisten Anregungen
und Gedanken mittrug. Im
Jahr 1898 verlor Spanien den um seine letzten überseeischen Kolonien gegen die USA
geführten Krieg. Die Nachkriegszeit brachte starke kritische Überlegungen über die
Anlässe der Niederlage in Gang. Der katastrophale Verlauf des Krieges verschlechterte
eine bereits zuvor schwierige Lage. Das Neunzehnte Jahrhundert hindurch war Spanien nicht
imstande gewesen, mit der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der
anderen europäischen Länder Schritt zu halten. Spaniens Niederwerfung gab gewissen
kritischen Kreisen des intellektuellen spanischen Spektrums die Gelegenheit, die Lage des
Landes in den Vordergrund der Diskussion zu stellen. Einige dieser kritischen Gelehrten
hatten schon ihren Einspruch bei der Revolution 1868 erhoben, aber es war ihnen nicht
gelungen, sich Gehör zu verschaffen, bis ihre Ansprüche nach dem Krieg
Durchsetzungskraft bei bestimmten politischen Kreisen fanden. Zu diesem Zeitpunkt
entfaltete sich die Desastre (Katastrophen)
Vorstellung in den verschiedenen Schichten der spanischen Gesellschaft. Man gelangte
zu der Überzeugung, dass Spanien einen dringenden Nachholbedarf an Modernisierung hatte.
Zwei der Bereiche, für die diese Ansprüche nachdrücklich gestellt wurden, waren das
Schulwesen und das wissenschaftliche System. Das Vorhaben bestand überwiegend darin, die
primitiven Strukturen der geringen in Spanien betriebenen Forschung und die verheerende
Lage der Schule sowie die mangelhafte Ausbildung der Lehrer und Lehrerinnen zu verbessern.
Dadurch gestaltete sich der regeneracionismo und sein Gedankengut erreichte
eine bisher nicht gekannte Ebene, wenn auch relativ bescheiden, denn keiner der Kreise,
vor allem nicht die Konservativen, waren wirklich gewillt, solche Vorschläge tatsächlich
umzusetzen. Hinzu
kam eine scheinbar ständige Stagnation, die fast das ganze Land umfasste und eine Folge
des wirtschaftlichen Rückstandes war. Die demographische Lage wies eine in Vergleich zu
anderen europäischer Ländern veraltete Bevölkerungsentwicklung auf, kennzeichnet durch
eine hohe Geburtenrate und eine nicht wenige hohe Sterblichkeitsrate. Ferner war die
wichtigste Berufstätigkeit die Landwirtschaft, denn zwei Drittel der Bevölkerung lebten
auf dem Land. Die Mehrheit der Landbewohner litt schweren Mangel an modernen Werkzeugen
und sah sich mit einer zu großen Zahl von Arbeitskräften konfrontiert. Die Industrie
hatte noch einen untergeordneten Stellenwert im ökonomischen System und das Land hatte
praktisch keinen Anschluss an die moderne Wissenschaft und Technik. Das Bildungssystem
befand sich in einem tragischen Zustand: ca. 75-80 % der Bevölkerung konnten weder lesen
noch schreiben, der Jahresetat für Ausbildung lag bei einer geringen Summe und die
Lehrerschaft erhielt ein niedriges Gehalt, sie war auch nicht genügend ausgebildet und
verfügte nicht über die nötigen Mittel, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Die
private Ausbildung, welche die Kirche in die Hand nahm, hatte die öffentliche
Schule abgelöst und sie war die einzige, die in der Lage war, eine angemessene Bildung zu
gewährleisten, wenn auch unter den von ihr gesetzten Richtlinien. In
diesem Zusammenhang vermehrten sich alle jene kritischen Schriften, welche die so genannte
Desastres Literatur ausmachten, und
auch alle öffentlichen Appelle, die eine Verbesserung von Bildung und Wissenschaft
forderten, um Spanien aus seiner damaligen Lage zu befreien. Zwei Beispiele dieser
Denkströmungen sind die Werke von Macías Picavea und Joaquín Costa. Wichtigste Schrift
des Erstgenannten ist El problema
nacional. Hechos, causas, remedios, in der Picavea eine Reihe von Problemen
aufzeigte und auch einige Lösungen, bei denen die Ausbildung eine große Rolle spielte,
gab. Seitens Costas, des bedeutendsten Vertreters dieser Desastres Literatur, erhielten die regeneracionistas die maßgeblichen Grundlagen
ihres Gedankenguts und pädagogischer Erneuerung. Neben den regeneracionistas wirkte auch das unmitellbare
intellektuelle Ergebnis des Krieges, und zwar die Generación del 98. Diese
war eine Gruppe von Schriftsteller, denen die Niederlage die Gelegenheit herbeiführte,
ihre Einsprüche wegen der kritischen Lage des Landes zu erheben. Zu ihnen gehörten groben
Figuren des spanischen Denkens erstes Drittel des 20. Jahrhunderts hindurch, wie z. B.
Ángel Ganivet, Azorín, Miguel de Unamuno, Pío Baroja. Sie stellten in verschiedenen Mabe
den Versuch einer Hinwendung Spaniens zu Europa dar(3). In
diesem Umfeld erlangte das Gedankengut der Institución
Libre de Enseñanza (ILE), mit der Costa einen großen Teil seiner Ideen teilte, eine
besondere Bedeutung. Die ILE wurde 1876 von aus der Universität entfernten Professoren
gegründet. Ihr Kopf war Francisco Giner de los Ríos, der zu ihrem Vorsitzenden ernannt
wurde. Er hatte schon mehrmals seinen Lösungsvorschlag für das Problem, das für ihn am
Mangel an Kontakten mit Europa lag, dargelegt: die Sendung von Stipendiaten zu den am
weitesten entwickelten europäischen Ländern, die von vorbereiteten und ausgebildeten
Direktoren betreut werden sollten. Die Junta erbte dieses Projekt und weiterhin
beabsichtigte sie, eine pädagogische Schulung der Lehrer durchzuführen, damit sie
imstande wären, den Nachwuchs auszubilden. Die Junta sollte aber kein Reisebüro sein,
sondern sie musste eine Bildungsanstalt werden. Neben dieser Bildungsorientierung nahm
sich die JAE auch vor, eine wissenschaftliche Entwicklung zu fördern, die ihren
Niederschlag in den Instituten für Natur- und Geisteswissenschaften gefunden hat. Die
von diesen Gelehrten gestellten Ansprüche fanden Anklang bei politischen Reihen der
liberalen Partei. Die Renovierung von außen, nach der die ILE strebte, scheiterte jedoch
und dies brachte sie dazu, neue Strategien aufzunehmen: die Schulreform von innen. Einige
Mitglieder der liberalen Partei nahmen gleichzeitig die zum Wiederaufbau der spanischen
Bildung und Wissenschaft vorgeschlagenen Richtlinien ein. Seit 1898 vertieften sich die
Kontakte zwischen beiden Institutionen und die Regierung ergriff einige Maßnahmen, um der
Modernisierung des Schulwesens und des wissenschaftlichen Systems den Weg zu ebnen: 1900
wurde das Ministerio de Instrucción Pública y
Bellas Artes (Volksbildungsministerium) eingerichtet. Bisher war dies eine von dem Ministerio de Fomento abhängige Abteilung gewesen,
ohne eigenen Etat und Autonomie. Ferner übernahm der Staat 1900-02 die Bezahlung der
Lehrerschaft, die bisher keinen staatlichen Gehalt erhalten haben. Hinzu kamen einige
Erlasse über Auslandsstipendien (pensiones) und
die Gründung des Dienstes für Technische Auskunft und Beziehungen mit dem
Ausland im Jahr 1906, welcher der unmittelbare Vorgänger der Junta war.
Schließlich richtete das Ministerium einen Lehrstuhl für Erziehung an der Madrider
Universität ein. José Castillejo, der Sekretär der JAE, berichtete davon, dass die
Minister der liberalen Partei diejenigen waren, die mit der Annäherung zwischen der ILE
und der Partei angefangen hatten(4). Wer auch
immer diese ersten Kontakte einleitete, das Fazit war die Betätigung mancher durch eine
Herkunft innerhalb der ILE geprägten Initiative. Unter
diesen Umständen wurde die Junta para Ampliación
de Estudios am 11. Januar 1907 gegründet. Neben ihr errichtete die liberale Regierung
parallel eine Anstalt, nämlich die Junta para el
Fomento de la Educación Nacional (Ausschuss für die Förderung der nationalen
Bildung). Damit sind die Bestrebungen der ILE schrittweise befriedigt worden. Sowohl die
Förderung der Bildung als auch die Modernisierung der Wissenschaft schienen durch die
Gründung dieser beiden Einrichtungen erfüllt worden zu sein. Die Durchschlagskraft
beider Institutionen war jedoch sehr unterschiedlich: Die JAE festigte sich im Lauf der
Zeit, auch wenn die finanziellen Schwierigkeiten sie ihre Geschichte hindurch begleiteten
und ihre Wirksamkeit beschränkten. Die Junta para el Fomento de la Educación
Nacional konnte die Hindernisse des politischen Lebens in Spanien hingegen nicht
überdauern und wurde bereits kaum sechs Monate nach ihrer Gründung wieder aufgelöst. Das
königliche Dekret, das die JAE gründete, legte schon die wichtigsten Aufgaben, die von
der Junta auszuführen waren, dar: -
Der
Dienst für die Weiterbildung im In- und Ausland. -
Die
Vertretungen in den wissenschaftlichen Kongressen. -
Der
Auslandsinformationsdienst und Bildungsbeziehungen mit dem Ausland. -
Die
Förderung der wissenschaftlichen Forschungsarbeiten. -
Der
Schutz der Bildungseinrichtungen an mittleren und höheren Schulen. Die
Junta strebte auch danach, ein selbständiges Organ zu werden. Dafür verfügte sie über
eine leichte und anpassungsfähige Verwaltung. Francisco Javier Laporta hat unterstrichen,
dass die JAE teilweise eine heimliche Anstalt war, denn der Umfang ihrer
Tätigkeiten passte nicht mit ihrem bescheidenen Verwaltungsapparat zusammen(5). Hervorzuheben ist, dass die 1907 von dem
Gründungsdekret eingeführte Verwaltungsgliederung sich im Laufe der Zeit bis hin zu
ihrer allmählichen Auflösung während des Bürgerkriegs (1936-1939) kaum änderte. Die
Verwaltung der Junta war wie folgt organisiert: -
Das
Präsidium (Presidencia): dieses bestand nur aus
dem Präsidenten. -
Der
Hauptausschuss (Comisión Ejecutiva o Directiva):
zu ihm gehörten der Präsident, zwei Stellvertreter, zwei Mitglieder der Hauptversammlung
und der Sekretär. -
Die
Hauptversammlung (Junta Plena): sie bestand aus
21 Mitgliedern und dem Sekretär. Eines der Mitglieder war der Präsident. -
Das
Sekretariat (Secretaría): ihm gehörten der
Sekretär, ein Stellvertreter und die Belegschaft an. Was
den Hauptausschuss betraf, so hatte er als bedeutendste Aufgabe, die Vorbereitungen für
die Ausführung sämtlicher Anträge und Arbeiten, die später bei der Hauptversammlung zu
billigen waren, durchzuführen. Außerdem sollte er die Ausführung der bei der
Hauptversammlung getroffenen Entscheidungen gewährleisten. Der Hauptausschuss tagte immer
unter der Leitung des Präsidenten und seine Mitglieder kamen zusammen, sobald der
Vorsitzende oder zwei seiner Mitglieder eine Besprechung einberiefen. Zur
Entscheidungsfindung war die Anwesenheit von drei Mitgliedern aber nötig. Alle drei Jahre
sollten ein Stellvertreter und ein Hauptausschussmitglieder ersetzt werden, auch wenn die
Möglichkeit bestand, sie wiederzuwählen, was oftmals geschah. Das
Sekretariat beschäftigte sich schließlich mit den meisten Verwaltungsarbeiten. Unter
anderen maß die Satzung der Junta es dem Sekretariat zu, die bei der Hauptversammlung und
Hauptausschuss genehmigten Entscheidungen zu erledigen. Ferner wurde es damit beauftragt,
eine Übersicht der Forschungsstipendiaten und deren Arbeiten zu führen. Das Sekretariat
sollte auch mit den Stipendiaten in Verbindung stehen und in Kontakt mit den Aufnahme-,
und Verwaltungsanstalten bleiben. Eine andere dem Sekretariat übertragene Aufgabe war die
Sammlung von Informationen, die für die JAE interessant sein konnten. Es hatte auch die
Buchhaltung zu führen und die von Hauptversammlung
und Hauptausschuss angeforderten Gutachten zu erstellen. Sowohl
die ursprüngliche Mitglieder der Junta als auch diejenige, die sich im Wandel der Zeit an
die JAE schlossen, waren fast ausschlieblich
Wissenschaftler. Obwohl die Bestrebungen der Junta Anerkennung und Beifall unter den
liberalen Kreisen fanden, blieben die politischen Figuren nur am Rand der JAE-Führung.
Allerdings kannte die Selbstständigkeit der Junta auch ihre Grenze, denn sie war von dem
Staat finanziell abhängig. Das Volksbildungsministerium stellte jedes Jahr einen Etat zu
ihrer Verfügung und dieser machte die wichtigste Einnahmequelle der Junta aus. Auch wenn
die JAE im Lauf ihrer Geschichte mit privaten Spenden rechnen konnte, betragen sie im
Vergleich zum staatlichen Zuschuss keine beträchtliche Summe. Erst 1923-4 erfreute die
Junta sich einer umfangreichen Spende, als die Rockefeller Foundation 420.000
Dollar zur Erweiterung eines Labors spendete. Die schwächen spanischen industriellen
Kreisen beteiligten auch weder an der Verwaltung noch an dem Unterhalt der
wissenschaftlichen Tätigkeiten. Weiterhin sah sich die JAE gezwungen, mit einem kurzen
staatlichen Budget ein mangelhaftes wirtschaftliches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Diese finanziellen Schwierigkeiten, denen die Junta Paroli bieten musste, bestimmten ihre
Entwicklung und hemmten auch, dass die JAE alle ihre Ziele erlangen konnte. 2.
Die wichtigsten erreichten Ziele der JAE. Die
geschichtliche Entwicklung der JAE war von dem Verlauf der spanischen Geschichte zwischen
1907 und 1939 bestimmt. Wie man gesehen hat, entstand die Junta durch die Not des
spanischen Schulwesens und seines veralteten Wissenschaftssystems. Ihre Auflösung wurde
von dem Bürgerkrieg (1936-1939) bestimmt. Mit dem Ausbruch des Konfliktes sah sich die
JAE im Sommer 1936 gezwungen, sich einer der beiden Seiten anzuschließen. Viele Gelehrte
sahen sich den Krieg hindurch gezwungen, entweder ins Exil oder in den Ruhestand zu gehen.
Andere entschlossen sich dazu, ihre Tätigkeiten fortzusetzen, auch wenn sie sich in den
Dienst einer oder der anderen Seite stellen mussten. Ein umfangreicher Teil der spanischen
Forscher, die im Juli 1936 mit der Junta zusammenarbeiteten, war der Republik treu. Unter
ihnen befand sich ein Kern, dessen Angehörige die Leitung der JAE bis zu ihrer
endgültigen Auflösung übernahmen. Einerseits erhielt die Junta ihre Tätigkeiten
während des Krieges sehr stark eingeschränkt wenn auch in der republikanischen Zone
aufrecht. Andererseits gründete General Francos Regierung Anfang 1938 ein Ministerium
für Nationale Erziehung und erließ am 19. Mai 1938 ein Dekret, das die Auflösung der
Junta in dieser Zone bestimmte. Nach dem Bürgerkrieg errichtete Francos Diktatur eine den
neuen Richtlinien unterstellte Anstalt, die als Nachfolger der Junta galt: der Consejo Superior de Investigaciones Científicas (Oberrat
für Wissenschaftliche Forschungen)(6).
Inzwischen musste die Junta weiter um ihr Überleben kämpfen. Im September 1936 fror die
republikanische Regierung die Forschungsstipendien ein und die JAE musste ihren Sitz von
Madrid nach Valencia verlegen, als Madrid zum unmittelbaren Kriegsfront wurde. Damit
wurden einerseits viele Aktivitäten gelähmt, andererseits wurden andere zwischen Madrid
und Valencia geteilt, was neben den Schwierigkeiten des Krieges die Arbeiten der Junta
belastete und verschlechterte. Das Fazit war, dass die Junta das Schicksal der
republikanischen Regierung teilte. Ende 1938 Anfang 1939 stellte die JAE ihre Arbeit ein. Zwischen
1907 und 1936 entwickelte sich eine Geschichte, die Licht und Schatten hatte. Die
Bestrebungen der an die Junta geschlossenen Wissenschaftler verwirklichten sich in einer
Reihe von Institutionen, welche die JAE förderte. Diese Anstalten entstanden, damit die
in ihnen ausgebildeten Lehrer und Forscher die pädagogische Erneuerung und die
wissenschaftliche Ankurbelung des Landes zustande bringen konnten. Die wichtigsten Zentren
waren: das Studentenwohnheim (La Residencia de
Estudiantes), das Schulinstitut (El Instituto
Escuela), das Institut für Historische Forschungen (El Centro de Estudios Históricos) und das
Nationalinstitut für Naturwissenschaften (El
Instituto Nacional de Ciencias Físico-Naturales). Sie waren keineswegs die einzigen
Gründungen der JAE, wohl aber die bedeutendsten. Neben ihnen fanden auch die
Forschungsstipendien eine große Bedeutung und Anerkennung. Alle diese Initiativen
stellten die wirksamsten Mittel der Junta zur Erreichung ihrer Ziele dar. La
Residencia de Estudiantes (Das Studentenwohnheim)
Der
wichtigste Beitrag zur Behebung der Mängel, welche die alte Universität bestimmt haben,
war das Studentenwohnheim in Madrid. Es wurde als eine Behausung des Geistes
konzipiert. Der Zweck war, eine intellektuelle, kulturelle und soziale Atmosphäre zu
schaffen, die in der Universität zuvor nicht zu finden gewesen war. Die Vertreter der ILE
hatten sich wiederholt darüber beklagt, dass die Studenten über keinen geeigneten Ort in
Madrid verfügten, um sich auf ihre Studien zu konzentrieren. Isabel
Pérez-Villanuevas(7) Überlegungen nach gab es
zwei durch das Studentenheim am meisten
verfolgten Ziele: Einerseits beabsichtigte es, mit den bedeutendsten pädagogischen und
kulturellen Kreisen im Ausland in Verbindung zu treten, andererseits wollte es diejenigen,
die bereit waren, wissenschaftliche Tätigkeiten zu betreiben, an einem geeigneten
Arbeitsort zusammenführen. Die Errichtung des Studentenheims sollte den Studenten eine
vertiefte Bildung ermöglichen. Es handelte sich nicht nur um die Ausbildung in etlichen
Fächern, sondern auch um die Vorbereitung der Studenten für die verschiedenen
Lebensbereiche. Es nahm sich vor, eine brauchbare Alternative zu den in Madrid liegenden
Pensionen zu sein, in denen die Studenten keineswegs das angemessene Ambiente zum Studium
fanden. Die Absicht der Gründer war, die Tradition der seit dem Mittelalter in Spanien
bestehenden alten Studentenwohnheime zurückzugewinnen, die moderne Verwaltung und die
neue Vitalität der englischen Colleges einführend. John Crispin hat hervorgehoben, dass
Oxford und Cambridge die unmittelbaren Vorbilder waren(8).
Das Studentenwohnheim wurde eine Ergänzung jener Fakultäten oder Technischen
Hochschulen, welche nicht in der Lage waren, die von ihnen erteilte Bildung mit anderen
unentbehrlichen Elementen zu ergänzen, zum Beispiel mit Laboratorien, Bibliotheken,
Vorträgen, sportlichen Tätigkeiten, musikalischen Abenden, dem Zusammenleben mit
Dozenten und im allgemeinen mit allem, was eine vollkommene Erziehung darstellt. Das
Studentenwohnheim begann seine Tätigkeiten am 1. Oktober 1910 in Madrid. Die
Entscheidung, das Studentenwohnheim in Madrid zu errichten, wurde aus verschiedenen
Gründen getroffen, aber zwei Gegebenheiten trugen besonders dazu bei: Madrid war seit dem
Ende des 19. Jahrhunderts ein Treffpunkt der intellektuellen Welt Spaniens gewesen und die
Junta wollte sämtliche Anstalten zwecks einer besseren Koordination örtlich
zusammenlegen. Man hatte die Vorstellung, dass die Zusammenlegung ihrer wissenschaftlichen
und pädagogischen Organisationen den Zielen der Erneuerung helfen würde. Im Laufe der
Zeit erwiesen sich solche Überlegungen als zutreffend. Obwohl der Junta vorgeworfen
wurde, eine zentralistische Politik zu betreiben, hielt die Junta an ihren Plänen fest,
zumal eine Zerstreuung der Bemühungen zum Scheitern hätte führen können. Außerdem
hatte die zentralistische Regelung der Hochschulpolitik in Spanien bestimmt, dass die
Universität Madrid die einzige im Land war, an der eine Habilitation erreicht werden
konnte. Insofern beschloss die JAE auch, Madrid als Kern ihrer Initiativen zu benutzen. In
dem Studentenwohnheim entfaltete sich eine Reihe kultureller Veranstaltungen. Neben
musikalischen Abenden wurden Kurse, Vorträge, Theateraufführungen oder
Kinoveranstaltungen angeboten. Ferner erreichte die Lehre von fremden Sprachen, die nicht
nur auf wissenschaftliche Zwecke ausgerichtet war, sondern auch auf die geistige Bildung
der Studenten, eine große Bedeutung. Eine weitere bedeutende Tätigkeit war die in den
Laboratorien des Studentenwohnheims betriebene wissenschaftliche Forschung. Das
Studentenwohnheim verfügte auch über einen Veröffentlichungsdienst, eine eigene
Zeitschrift, Residencia, eine Bibliothek und Sportplätze. Außerdem
veranstaltete die Leitung des Studentenwohnheims auch zahlreiche Ausflüge und
Museumsbesuche. Durch all diese Aktivitäten versuchte die JAE eine Alternative zur
Universität und dem veralteten offiziellen Bildungssystem zu bieten. El
Instituto Escuela (Das Schulinstitut)
Die
Junta gründete das Schulinstitut durch ein königliches Dekret am 10. Mai 1918. Dies
stellte einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Ergänzung sämtlicher Stufen des
Schulwesens von der Grund- bis zur Hochschule dar(9).
Die Gründung des Schulinstituts ist vor allem Santiago Alba, dem damaligen
Bildungsminister, zu verdanken. Er war ein Mitglied der liberalen Partei und stellte eines
der deutlichen Beispiele der Zusammenarbeit zwischen den Männern der ILE und den
politischen Kreisen dar. Die neue Anstalt wurde als ein Experiment angesehen und wandte
Lehrpläne an, die sich gezielt von dem offiziellen Bildungssystem unterschieden. Daher
ist es auch als pädagogisches Labor bezeichnet worden(10). Neben anderen Neuerungen, welche das
Schulinstitut einführte, stechen folgende besonders hervor: der Verzicht auf Prüfungen,
um die nächste Stufe zu erreichen, und die Einführung von Lehrbücher; man verstärkte
den Unterricht in fremden Sprachen, die Kontakte mit der Natur und die Ausflüge in Madrid
und Umgebung. Der vom Schulinstitut eingeführte wichtigste Grundzug war aber die
Möglichkeit, dass sowohl Schüler als auch Schülerinnen sich unter demselben Dach zum
Unterricht (Koedukation) zusammenfinden konnten. Das Schulinstitut strebte danach, die
bislang traditionelle Trennung von Jungen und Mädchen zu überwinden. Diese
Vorhaben stießen jedoch auf eine Schwierigkeit: die Wechsel der Gebäude bald wegen
äußerlichen Aufforderungen, bald wegen inneren Anregungen zwecks einer Verbesserung
seiner Leistung. Das Schulinstitut sah sich mehrmals gezwungen, den Sitzwechseln Paroli zu
bieten. Die Junta strebte immer danach, das Schulinstitut mit einem geeigneten Gebäude
auszustatten. Dieses Anliegen konnte jedoch erst dreißiger Jahre verwirklicht werden,
denn die Junta verfügte nie über die benötigten Mittel, um den Kauf eines einzelnen
Gebäudes zu finanzieren. Diese Unbeständigkeit bestimmte das Leben der Anstalt und hatte
auch negative Wirkungen. Die Sitzwechsel verhinderten, dass einige der oben genannten
Vorstellungen und Ideale des Schulinstituts zustande kamen. Die finanziellen
Schwierigkeiten und das Raumproblem waren eine Konstante im Leben des Institutes(11). Zwar erreichte das Schulinstitut nicht die von der ILE
gewünschte Bedeutung, aber es ist gleichwohl als das bedeutendste pädagogische
Experiment in die spanische Geschichte eingegangen. Es war vorwiegend auf die Schüler und
Schülerinnen ausgerichtet, dennoch nahm das Schulinstitut auch eine Reform der
Lehrerausbildung vor. Deswegen stellte es in der Tat ein echtes pädagogisches Labor dar.
Das Schulinstitut führte der Junta die Gelegenheit herbei, ein Experiment zur Erneuerung
des Bildungssystems durchzuführen. Auch wenn die Tragweite dieser Erfahrung wegen des
Bürgerkrieges eingeschränkt blieb, dehnte sich die Anwendung seiner Ergebnisse im Lauf
der Zeit, besonders während der Zweiten Republik (1931-1936), aus. In der Folge wurden
andere Schulinstitute in verschiedenen Städten Spaniens (Valencia, Gijón, Sevilla,
Barcelona oder Málaga) eingerichtet. El
Centro de Estudios Históricos (Das Institut für Historische Forschungen)
Das
Institut für Historische Forschungen gehörte neben dem Nationalinstitut für
Naturwissenschaften zu den Versuchen zur Förderung und Verbesserung der
wissenschaftlichen Forschung in Spanien, welche die Junta durchführte. Drei Jahre nach
der Errichtung der JAE wurde das Institut für Historische Forschungen (IHF)
durch ein am 18. März 1910 von Bildungsminister
Graf von Romanones unterschriebenes königliches
Dekret gegründet. Dieses war der erste Vorschlag, den die von Santiago Ramón
y Cajal geleitete Institution in dieser Richtung ausführte. Obwohl die Junta bereits
im August 1907 einen Arbeitsplan entworfen hatte, um ein entsprechendes Institut
einzurichten, gelang dem Ausschuss die Gründung dieses Instituts aufgrund der Opposition
des damaligen Bildungsministers, Faustino Rodríguez
San Pedro, gegen die Arbeiten der JAE nicht. Es war nur möglich, das Institut zu
gründen, als Rodríguez San Pedro und die
konservative Regierung, zu der er gehörte, Ende 1909 durch die liberale Partei von der
Macht abgelöst worden waren. Das Institut für Historische Forschungen
versuchte, so ergab sich aus den Jahresberichten der Junta 1910/11, dem zunehmenden
Interesse überall für unsere Sprache, Kunst, Geschichte und Literatur(12) zu entsprechen. Die Aufgaben des Instituts waren: 1. Die
Quellen zu erforschen und die Publikation von kritischen Ausgaben unveröffentlichter oder
fehlerhafter Dokumente (Chroniken, literarische Werke, Sonderrechte usw.), Glossaren,
Monographien, philosophischen, literarischen, historischen, philologischen,
künstlerischen und archäologischen Werken vorzubereiten. 2.
Wissenschaftliche Missionen, Ausgrabungen und Forschungen zu organisieren, um Monumente,
Dokumente, Mundarten, Folklore, soziale Institutionen und allgemein alles, was historische
Erkenntnisquelle für spanische Geschichte sein kann, zu studieren. 3.
Forscher in laufende Forschungsmethoden einzuführen, damit diese an den aufgeführten
Aufgaben teilnehmen. Dafür wird das Institut besondere Seminararbeiten organisieren. 4. Mit den
Stipendiaten Verbindung aufzunehmen, die im Ausland oder in Spanien historische
Forschungen durchführen, um ihnen zu helfen und ihre Resultate zu sammeln und
auszuwerten. Außerdem wird das Institut die Mitte für die Stipendiaten bereitstellen,
die bei ihrer Rückkehr eine gute Bildung unter Beweis stellen, damit sie weiter arbeiten
können. 5.
Eine Bibliothek für historische Forschungen aufzubauen und Kontakte und Austausch zu
ähnlichen ausländischen Einrichtungen aufzunehmen.(13) Von 1910 bis 1919 war das
Institut im Palacio de Bibliotecas y Museos
(Palast der Bibliotheken und Museen) in Madrid untergebracht, und zwar in dem
Gebäude des Naturwissenschaftlichen Museums. Das IHF befand sich im Untergeschoss der
Nationalbibliothek. Die direkte Verbindung zu dieser Einrichtung und dem Historischen
Archiv wurde von der Leitung der Junta für einen großen Vorteil gehalten, der genutzt
werden müsse. Trotz des Nutzens, der sich aus dieser Zusammenarbeit mit den beiden
Organisationen ergab, blieb das Institut nur kurz in diesem Gebäude, bis 1919, da die
Räumlichkeiten eine angemessene Arbeit nicht erlaubten. Außerdem nahmen die Aktivitäten
der Seminare des Instituts zu, und bald gab es nicht mehr genügend Platz. Es gab auch
politische Motive für das Institut, umzuziehen. Das Ministerium für Volksbildung
entschied, das Gebäude einer anderen Bestimmung zuzuführen und deswegen übte man auf
den Ausschuss im Jahre 1917/18 Druck aus, das Gebäude zu verlassen. Aufgrund dieser
Umstände sahen die Junta und das Institut sich gezwungen, einen neuen Raum zu suchen. Die
Suche war im Jahre 1919 von Erfolg gekrönt, als die Junta ein Gebäude in der Almagrostraße 26 mietete. Die Probleme der
Unterkunft fanden jedoch auch dieses Mal keine endgültige Lösung, weil die Vermieter im
Lauf der Zeit verschiedene und zunehmend höhere Forderungen stellten, manches Mal mit der
Räumung drohend. Der letzte Umzug fand im Jahre 1929 statt und war auch der letzte vor
dem Bürgerkrieg. Ab 1929/31, dieser letzte Umzug dauerte zwei Jahre, verlegte das
Institut seinen Sitz in die Duque de
Medinaceli-Straße 4. Die Junta zeigte großes Interesse, das IHF mit einem
individuellen und eigenen Sitz in Altos del
Hipódromo(14) zu verlegen. Obwohl die
JAE im Jahr 1935 einen Entwurf erarbeitet hatte und das Bauwerk begonnen worden war,
konnte es wegen des Ausbruchs des Bürgerkrieges im Juli 1936 nicht beendet werden. Das Institut für
historische Forschungen war keine einheitliche Institution, die mit einem konkreten Fach
beschäftigt war, sondern bestand aus unterschiedlichen Abteilungen, die keinen
beständigen Charakter hatten. Sowohl ihre Zahl als auch ihre wissenschaftliche
Orientierung änderten sich im Lauf der Zeit bis zum Bürgerkrieg. Obwohl der wichtigste
Forschungsbereich die historischen Fächer waren, geht man fehl in der Annahme, dass die
historischen Forschungen ein abgegrenztes Feld waren, denn die Leiter der Junta wollten im
Gegenteil einen weiten Begriff, strebten konkret ein interdisziplinäres Institut an, in
dem alle Geisteswissenschaften ihren eigenen Platz hätten. Deswegen umfassten die
Abteilungen unterschiedliche, miteinander verbundene Disziplinen, und zwar Geschichte,
Philosophie, Kunst, Philologie, Jura und Archäologie. Die Geschichtsschreibung hat
betont, dass das Institut eine Verbindung zwischen den wichtigsten spanischen
Geisteswissenschaftlern herstellte. So hat Laporta
gesagt, dass das Institut für Historische Forschungen die fruchtbarste und
vollständigste Realisierung innerhalb des geisteswissenschaftlichen Feldes gefunden
hat(15). Von der Gründung des
Instituts im Jahre 1910 bis zu seiner Beseitigung während des Bürgerkriegs sind vier
unterschiedliche Phasen innerhalb seiner Entwicklung zu beobachten. Die erste lag zwischen
1910 und 1917/19 und könnte als Jahre der Zweifel, Prüfungen und neuen Anregungen
bezeichnet werden. Trotzdem entwarf das Institut ein Verwaltungsmodell, das man ohne
wichtige Änderungen bis zur Auflösung des Instituts beibehielt. Andererseits stellte die
zweite Phase (von 1917/19 bis 1923) eine Zeit der endgültigen Bildung der
Forschungsaktivitäten dar. In diesen Jahren festigten sich die wichtigsten Abteilungen,
die seit dem Anfang den Hauptkern des Instituts ausgemacht hatten, und zwar Philologie,
Kunstgeschichte, Archäologie und Rechtsgeschichte. So verkleinerte sich die Zahl der
Abteilungen auf diese, die bis zum Bürgerkrieg überlebten. Ferner erfuhr die Bibliothek
des Instituts, die gleichzeitig mit ihm gegründet worden war, eine wichtige Veränderung
in ihrer Verwaltung. Bis 1922 war die Bibliothek abhängig von der Junta gewesen, aber in
diesem Jahr wollte die JAE sie unter die Leitung der Cuerpo de Archivos, Bibliotecas y Museos(16) stellen, die Finanzhilfe des Ministeriums für
Volksbildung bekam, um bessere Bedingungen für die Bibliotheken unter ihrer Verantwortung
zu schaffen. Damit wurde die Bibliothek des Instituts öffentlich und hörte auf, wie bis
1922, eine private Einrichtung zu sein, in der nur die Forscher des Instituts ihrer Arbeit
nachgehen konnten. Die dritte Phase (von 1923 bis 1936) zeichnete sich durch eine langsame
und gesicherte Verstärkung und Erweiterung der Tätigkeiten des IHF aus, und zwar durch
die Veröffentlichung neuen Zeitschriften und einzelne Arbeiten oder die Sendung von
Lektoren ins Ausland. Schließlich prägte der Bürgerkrieg (1936/39) die drei letzten
Jahre seiner Entwicklung. In dieser vierten Phase war das Bestehen des Instituts abhängig
von der Auseinandersetzung und ihrem Ergebnis. Die Abteilungen
übernahmen die Hauptrolle innerhalb der Forschungstätigkeiten. Die Zahl der Abteilungen
veränderte sich beträchtlich zwischen 1910 und 1919. Im Jahr 1910, als das Institut
gegründet wurde, gab es sechs Abteilungen, zwischen 1914 und 1916 wurden sie auf zehn
erweitert und schließlich, im Jahre 1919, wieder auf vier reduziert. Diese vier
Abteilungen stellten den Kern des Institutes dar, und zwar Philologie, Rechtsgeschichte,
Kunstgeschichte und Archäologie. Ab 1919 wurde die Zahl der Abteilungen nur noch
geringfügig verändert: In den 20er Jahren wurde eine aufgelöst und eine andere
gegründet und in den 30er Jahren wurden zwei weitere eingerichtet. Also kann man sagen,
dass diese Abteilungen während der ersten neun Jahre des Instituts (1910/19) völlig dem
Ideal des Instituts als einem Experimentierfeld entsprachen. Die Junta, im Einvernehmen
mit dem Leiter des Instituts, entschied jedes Jahr darüber, welche Abteilungen und
Angebote das Institut bieten könnte. Der endgültige Entschluss erschien dann in der
Gaceta. Das Programm der
Forschungstätigkeiten lief zwischen 1910 und 1916 nach dem Kalenderjahr, ab 1916/17 nach
dem Schuljahr, d. h. von Oktober bis Juni. Die Abteilungen teilten
ihre Tätigkeiten in drei große Gebiete auf: die Seminararbeiten, die wissenschaftlichen
Forschungsreisen und die besonderen Arbeiten. Erstere standen unter der Leitung des
Direktors oder der Mitarbeiter und es ging um langwierige Forschungen, die die
Zusammenarbeit mit anderen Forschern fördern sollten. Zu diesen gehörten die
Vorbereitung von Veröffentlichungen (sowohl einzelne Bücher als auch Zeitschriften), die
Sammlung von Forschungsquellen oder die Anfertigung langwierige Forschungsunternehmen. Die
zweiten wurden genutzt, um die verschiedenen Forschungen zu vervollkommnen. Es handelte
sich vornehmlich um Inlandsreisen, auch wenn Forschungsreisen ins Ausland auch nicht
ausgeschlossen waren. Schließlich bestanden die dritten aus Arbeiten, die grundsätzlich
eine kurze Dauer hatten und von Mitarbeitern der Leiter ausgeführt wurden. Außerdem
suchte die JAE nach finanziellen Mitteln, um Stipendien gewähren zu können. Zwei Merkmale, die im
Lauf der Zeit blieben und auch die anderen Einrichtungen des Ausschusses bestimmten,
spielten eine wichtige Rolle: Einerseits der ursprünglich experimentelle Charakter und
andererseits die unkomplizierte Verwaltung, da Hindernisse von Anfang an vermieden werden
sollten. Das von Graf von Romanones am 18.
März 1910 unterschriebene königliche Dekret, in dem sich die beiden Merkmale spiegelten
ist ein gutes Beispiel dafür: Was die Struktur dieser Einrichtung betrifft,
ist es vor allem nötig, dass sie mit der ausreichenden Flexibilität ausgestattet ist,
damit ihr Funktionieren sich an die schwierige Natur ihrer Zwecke und an den Zustand und
die Zahl ihrer Mitglieder anpasst.
Also ist es nicht möglich, bis die Ereignisse die Formen festigen, etwas anderes
zu machen, als die allgemeinen Linien ihrer Tätigkeit zu erarbeiten und jene
unveräußerlichen Befugnisse, die dem Minister obliegen, d. h. die Verwaltung der
Ressourcen, des Haushalts, die Bestimmung der Dienste und die Inspektion, von jenen
anderen technischen Befugnissen, die Inhalt des Dienstes sind, d. h. dem sozialen Leben,
das immer eine freie Entwicklung braucht, zu trennen(17). Entsprechend
diesen Ideen organisierte das Institut zwischen 1910 und 1919 seine einfache Verwaltung.
Damit versuchte das Institut, die aus einer komplizierten Organisation resultierenden
Behinderungen zu vermeiden. Dieses Merkmal ist auch in der Junta und in den von ihr
abhängigen Einrichtungen zu finden. Am Anfang hatte das Institut keine offizielle Leitung
(Direktor, Sekretär, usw.), welche die Verwaltung hätte übernehmen können. Den
Professoren, welche die unterschiedlichen Abteilungen leiteten, gab die Junta den Auftrag,
die Leitung des Instituts zu übernehmen und gemäß den Tätigkeitsberichten der JAE
die regelmäßige Hauptversammlung der Professoren des Instituts zu nutzen, um die
Tätigkeiten zu koordinieren(18). Erst
1915 wurde Ramón Menéndez Pidal zum Vorsitzenden des Instituts und Tomás Navarro Tomás
zum Sekretär gewählt. El
Instituto Nacional de Ciencias Físico-Naturales (Das Nationalinstitut für
Naturwissenschaften)
Eine
Erforschung des Nationalinstituts ist noch zu unternehmen. Die Geschichtsschreibung hat
bisher erst einige Richtlinien angedeutet, aber es fehlt noch eine grundlegende Arbeit,
welche sich mit der geschichtlichen Entwicklung des Nationalinstituts und seinen Wirkungen
auseinandersetzt. Zur Zeit gibt es nur einige Beiträge zur Geschichte etlicher
naturwissenschaftlicher Disziplinen: Physik, Chemie, Biologie, Zoologie usw. Das
Nationalinstitut für Naturwissenschaften wurde am 27. Mai 1910 ins Leben gerufen und
Santiago Ramón y Cajal wurde sein Vorsitzender. Sein Ziel war, dass alle den
Naturwissenschaften in Spanien gewidmeten Anstalten (Institute, Museen, Labors, usw.) sich
an die neue Einrichtung anschlossen. Dass sie unter der Leitung des Nationalinstituts
waren, bedeutete aber nicht den Verlust ihrer Unabhängigkeit und Persönlichkeit. Die
neue Lage begriff sich als freiwilliger Zusammenschluss zwecks besserer Koordination.
Dadurch gliederte die Junta eine Reihe von Einrichtungen, die bereits bestanden, in das
Nationalinstitut ein: das Nationalmuseum für Naturwissenschaften, unter der Leitung von
Ignacio Bolívar; das Museum für Anthropologie, dessen Direktor Manuel Antón y
Ferrándiz war; den Botanischen Garten, unter der Leitung von Apolinar Gredilla; die
Biologische Station von Santander und das Labor für Biologische Forschungen, dessen
Direktor Santiago Ramón y Cajal war. Die JAE gründete auch neue Einrichtungen, die sich
an das Nationalinstitut anschlossen. Unter anderen erhielten die Labors des
Studentenwohnheims und das Labor für physikalische Forschungen unter seinem Direktor Blas
Cabrera eine große Bedeutung. Letzteres wurde 1910 eingerichtet und es brachte viele
maßgebliche Persönlichkeiten der spanischen Naturwissenschaften zusammen. Das Labor
erfuhr einen wichtigen Aufschwung ab dem Jahr 1923. Die Junta handelte eine Zusammenarbeit
mit der Rockefeller Foundation aus, deren Fazit war, dass die amerikanische
Stiftung den beträchtlichen Beitrag von 420.000 Dollar zur Erweiterung des Labors
spendete, damit eine neuere und modernere Anstalt in Madrid eingerichtet werden konnte.
Dadurch wurde 1932 das Nationalinstitut für Physik und Chemie gegründet. Seither
verfügten die spanischen Naturwissenschaften über ein geeignetes Heim zur Förderung der
wissenschaftlichen Forschungen. 3.
Eine Bilanz der Tätigkeiten der JAE. Ende
des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts erfuhren die Vorstellungen über die
Wissenschaftspolitik in Europa eine Reihe von Wandlungen. Die Forschung der verschiedenen
wissenschaftlichen Disziplinen wurde von der Universität abgetrennt und in neu
eingerichtete Institute untergebracht, wo Regierungen, Industrie und private Stiftungen
sie mit den modernsten Forschungstechniken ausgestattet haben. Die Wissenschaft wurde
ferner als Machtfaktor angesehen, so dass ihrer Pflege eine große Bedeutung zukam nicht
nur für die innere Entwicklung der Länder, sondern auch für das Ansehen im Ausland und
die internationale Konkurrenz. In
diesem Zusammenhang verkörperte die JAE diese Bestrebungen nach wissenschaftlicher
Modernisierung und Erneuerung in Spanien. Die wichtigsten europäischen Mächte hatten
bereits das 19. Jahrhundert hindurch mehrere Unternehmen in Angriff genommen, um die
Wissenschaft zu fördern. Das Verdienst der Junta liegt vorwiegend darin, den Rückstand
der spanischen Wissenschaft erkannt zu haben und die notwendigen Maßnahmen zur
Beseitigung dieser Lage ergriffen zu haben. Die JAE stellte eine Antwort auf die
Bedürfnisse des pädagogischen und wissenschaftlichen Systems Spaniens dar. Bemerkenswert
ist, dass die JAE gewissermaßen ähnliche Ziele wie die Notgemeinschaft der Deutschen
Wissenschaft hatte, wenn auch die Ausgangspunkte und die verschiedenen nationalen
Umstände beide Organisationen voneinander unterschieden. Auf jeden Fall erlaubt
ein Vergleich zwischen den beiden Institutionen, allgemeine Merkmale hervorzuheben. Sowohl
die Notgemeinschaft in Deutschland als auch die JAE in Spanien sahen sich gezwungen,
politischen Hindernissen und finanziellen Schwierigkeiten Paroli zu bieten. Die
Wissenschaftler, welche wichtige Ämter in der wissenschaftlichen Verwaltung bekleideten,
z. B. Friedrich Schmidt-Ott in Deutschland und Santiago Ramón y Cajal in Spanien,
strebten nach der Selbstverwaltung ihrer jeweiligen Einrichtungen, die frei von
politischen Eingriffen sein sollten. Hingegen wollten einige politische Kreise die
Wissenschaftspolitik ihrer Überprüfung unterordnen. Ferner erachteten sich einigen von
diesen prominenten Wissenschaftlern als eine vorbereitete gesellschaftliche Elite, der
eine privilegierte Rolle bei der Führung ihrer jeweiligen Ländern vorbehalten werden
sollte. Diese Auseinandersetzung endete erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Niederlage
der Wissenschaftler, als die große Mehrheit von ihnen in staatliche Einrichtungen
einbezogen wurden, die nicht nur finanziell sondern auch verwaltungstechnisch völlig
abhängig vom Staat waren. Dadurch wurde auch ihr staatsmännische Bewusstsein
ausgeschaltet. (1)
Eine mögliche Übersetzung wäre folgende: Der Ausschuss für Weiterbildung und
wissenschaftliche Forschungen, genauso wie SCHICHTL, Franziska es bereits bei ihrer
Dissertation getan hat: La Institución Libre de
Enseñanza (1876-1936). Eine spanische Bildungseinrichtung zur Erneuerung der Pädagogik
und ihre Auswirkungen auf das heutige spanische Schulsystem. Frankfurt am Main, 1991. (2)
Man kann dieses Wort als Erneuerung übersetzen. (3)
FRANZBACH, Martin: Die Hinwendung Spaniens zu
Europa. Die
generación del 98, Darmstadt, 1988.
Unter der spanischen Literatur sind die folgenden Titel zu betonen: TORRECILLA, Jesús: La generación del 98 frente al nuevo fin de siglo,
Amsterdam 2000; ABELLÁN, José Luis: El 98 cien
años después, Madrid, 2000; MORENO ALONSO, Manuel: La literatura del desastre: una crítica histórica
desde la otra cara del espejo, Sevilla, 2000; BERNAL MUÑOZ, José Luis: La generación de 1898: ¿invento o realidad?,
Valencia, 1996; LAÍN ENTRALGO, Pedro: La
generación del noventa y ocho, Madrid, 1997; FUSI, Juan Pablo y NIÑO, Antonio
(Hrsg.): Vísperas del 98: orígenes y
antecedentes de la crisis del 98, Madrid, 1997; RUIZ MANJÓN, Octavio y LANGA, Alicia
(Hrsg.): Los significados del 98. La sociedad
española en la génesis del siglo XX, Madrid, 1999. (4) CASTILLEJO, José: Guerra de ideas en España. Filosofía, política y
educación. Ediciones de la Revista de Occidente, Madrid, 1976, Seite 97. (5) LAPORTA SAN MIGUEL, Francisco Javier; SOLANA,
Javier; RUIZ MIGUEL, Alfonso und ZAPATERO GÓMEZ, Virgilio: La Junta para Ampliación de Estudiso e Investigaciones
Científicas (1907-1936), (nicht veröffentlichte Arbeit, aber mit Finanzhilfe der
Fundación Juan March Madrid- erarbeitet), Band IV, 1980, Seiten 1-13. (6) SÁNCHEZ RON, José Manuel: La Junta para
Ampliación de Estudios e Investigaciones Científicas ochenta años después, en
SÁNCHEZ RON, José Manuel (Hrsg.): 1907-1987, la
Junta para Ampliación de Estudios e Investigaciones Científicas 80 años después:
simposio internacional, Madrid, 15-17 de diciembre de 1987. Estudios sobre la ciencia,
5, vol. I, CSIC, Madrid, 1988, Seiten 1-61. (7) PÉREZ-VILLANUEVA TOVAR, Isabel: La Residencia de Estudiantes. Grupos universitarios y
de señoritas. Madrid, 1910-1936. Ministerio de Educación y Ciencia, Madrid, 1990,
Seite 11. (8) CRISPIN, John: Oxford y Cambridge en Madrid. La Residencia de
Estudiantes (1910-1936) y su entorno cultural. Narración y Ensayo, n.º. 23,
publicaciones La Isla de los Ratones, Santander, 1981. (9)
PALACIOS BAÑUELOS, Luis: Instituto-Escuela:
historia de una renovación educativa,. Ministerio de Educación y Ciencia, Madrid,
1988. (10)
MORENO, Antonio und SÁNCHEZ RON, José Manuel: La Junta para Ampliación de
Estudios e Investigaciones Científicas: la vida breve de una fundación ahora
octogenaria in Mundo Científico, n.º 65,
Januar 1987, Seite 27. (11) ONTAÑÓN, Elvira: El Instituto-Escuela,
una experiencia educativa de la Junta para Ampliación de Estudios, in SÁNCHEZ RON,
José Manuel (Hrsg.): 1907-1987. La Junta para
Ampliación de Estudios e Investigaciones Científicas 80 años después. Simposio
internacional, 15-17 de diciembre de 1987, Estudios sobre la ciencia, 5, vol. II,
CSIC, Madrid, 1988, Seiten 201-238. (12) Archivo de la Secretaría de la Junta para
Ampliación de Estudios, Fundación Residencia de Estudiantes. JAEIC, Memoria correspondiente a los años 1910/1911,
Seite 131. (13) Ebda, S. 131 f. (14)
Altos del Hipódromo ist ein Bereich in Madrid, wo die Junta schon andere
Institute und eine Studentenheim errichtet hatte. (15) LAPORTA SAN MIGUEL, Francisco Javier; SOLANA,
Javier; RUIZ MIGUEL, Alfonso und ZAPATERO GÓMEZ, Virgilio: La Junta para Ampliación de Estudios e Investigaciones
Científicas (1907-1936), (nicht veröffentlichte Arbeit, aber mit Finanzhilfe der
Fundación Juan March erarbeiteet), Band IV, 1980, Seite 221. (16)
Abteilung für Archive, Bibliotheken und Museen. (17) Gaceta de
Madrid, 78, 19. März 1910, Seite 582. (18) Archivo de la Secretaría de la Junta para
Ampliación de Estudios, Fundación Residencia de Estudiantes. JAEIC, Memoria correspondiente a los años 1910 y 1911,
Madrid, 1912, Seite 133.
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